KI DSGVO-konform einsetzen: die Architektur-Entscheidungen, auf die es ankommt

KI DSGVO-konform: 4 Architektur-Fragen zu Hosting, Prompts, Speicherung und AVV. AI Act und DSGVO getrennt prüfen. Made in Germany Optionen.

/ AI Act & KI-Compliance /

Autor
David Bachorski
Veröffentlicht
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4 Min. Lesezeit

KI DSGVO-konform einzusetzen bedeutet, vier Architektur-Fragen vor dem ersten Prompt zu klären: Wo läuft das Modell, wohin fließen Prompts, was wird gespeichert, wer haftet per AVV? Für Mittelständler mit 25 bis 150 Mitarbeitern sind deutsches Hosting (z. B. IONOS) und getrennte Prüfungen von AI Act und DSGVO der pragmatische Standard. Die EU-Verordnung 2024/1689 regelt KI-Risiken, die DSGVO regelt personenbezogene Daten. Beide gelten gleichzeitig.

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt technisch-organisatorische Architekturentscheidungen. Er ersetzt keine Rechtsberatung.

Frage 1: Wo läuft das Modell?

OptionDSGVO-VorteilNachteil
US-Cloud-SaaSschneller StartTransfer Impact Assessment nötig
EU-Cloud mit US-Subprozessormittlere KontrolleSubprozessor-Kette prüfen
Self-Hosted auf IONOS DEmaximale Datenhoheithöherer Betriebsaufwand
Hybrid (EU-Inferenz, US-Training ausgeschlossen)guter KompromissArchitektur-Kompetenz nötig

Für Mandantendaten, Personalakten und Verträge empfehlen wir als Entwicklungspartner aus Oberhausen mindestens EU-Inferenz mit dokumentiertem Ausschluss von Training auf Kundendaten.

Frage 2: Wohin fließen Prompts?

Jeder Prompt kann personenbezogene Daten enthalten, auch wenn der Nutzer es nicht bemerkt. Prüfen Sie:

  • Wer sieht Prompts im Anbieter-Backend?
  • Werden Prompts für Modelltraining genutzt? (Enterprise-Verträge schließen das oft aus)
  • Gibt es Logging in Ihrer eigenen Infrastruktur?

Technische Maßnahme: Prompt-Filter, der Klasse-C- und D-Daten vor dem Versand blockiert.

Frage 3: Was wird gespeichert?

DatentypEmpfehlungLöschfrist
Prompts mit Personenbezugverschlüsselt, Zugriff protokolliert30–90 Tage
Generierte Antwortennur wenn Geschäftsprozess es brauchtprozessabhängig
Embeddings aus Dokumentenim eigenen TenantVertragsende + 30 Tage
Audit-Logsfür Nachvollziehbarkeit1–3 Jahre

Die RAG-DSGVO-Architektur vertieft Speicherung für Wissensdatenbanken.

Frage 4: Wer haftet per AVV?

Sie brauchen Auftragsverarbeitungsverträge mit:

  • KI-Plattform-Anbieter
  • Cloud-Hosting-Provider
  • Embedding- und Vektor-Datenbank-Dienst
  • ggf. OCR- oder Speech-to-Text-Anbieter

Ohne AVV-Kette haftet der Verantwortliche allein. Das ist der häufigste Befund in unseren Audits.

Wie trennen Sie AI Act und DSGVO?

PrüfungAI ActDSGVO
Schulung der MitarbeiterArt. 4Betroffenenrechte erklären
Hochrisiko-EinstufungAnhang IIInicht relevant
DokumentationKonformitätsakteVerarbeitungsverzeichnis
Technische MaßnahmenGenauigkeit, AufsichtArt. 32 Sicherheit
BetroffenenanfragenTransparenz Art. 13Art. 15–22

Führen Sie zwei Checklisten parallel, nicht eine Mischliste.

Welche Architektur empfehlen wir dem Mittelstand?

Für die meisten ICP-Betriebe mit 40 bis 100 Mitarbeitern:

  1. Interne RAG-Lösung auf IONOS für Klasse B bis D
  2. Freigegebenes Enterprise-Chat nur für Klasse A
  3. n8n-Workflows für Freigabe und Logging
  4. AVV-Paket mit allen Subprozessoren
  5. Jährliches Review im KI-Audit

Das AI-Act-Compliance-Audit für 3.000 EUR prüft beide Gesetze in einem Durchlauf und liefert einen Architektur-Vorschlag mit Festpreis für die Umsetzung.

Welche Fehler sehen Datenschutzbeauftragte zuerst?

In Praxis-Checks fallen dieselben vier Lücken auf:

  1. Kein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten für KI-Workflows
  2. Fehlende AVV mit dem Chat-Anbieter, obwohl Mitarbeiter täglich nutzen
  3. Unklare Löschfristen für Prompts und generierte Antworten
  4. Keine TOM-Dokumentation für Zugriff und Verschlüsselung

Jede Lüke lässt sich in 1 bis 3 Personentagen schließen, wenn die Architektur einmal gezeichnet ist.

Wie sieht ein Minimal-Architekturdiagramm aus?

[Mitarbeiter] → [Freigabe-Proxy] → [EU-LLM auf IONOS]

               [Audit-Log 90 Tage]

               [Löschjob automatisch]

Der Proxy blockiert Klasse-C- und D-Daten vor dem Versand. Das ist technisch einfacher als nachträgliche Schulung allein.

Wann reicht US-Cloud?

Wenn Sie ausschließlich unkritische Texte ohne Personenbezug verarbeiten und ein gültiger Transfer-Mechanismus dokumentiert ist. Sobald Sie Kundendaten, Bewerbungen oder Mandantenakten anfassen, ist deutsches Hosting die einfachere und günstigere Compliance-Entscheidung langfristig.

Wie starten Sie mit einem Architektur-Workshop?

In 90 Minuten klären Sie die vier Fragen mit IT, Datenschutz und Fachbereich:

  1. Welche Use-Cases laufen heute?
  2. Welche Datenklassen sind betroffen?
  3. Welche Hosting-Option passt zum Risiko?
  4. Welche AVV fehlen?

Das Ergebnis ist ein einseitiges Architekturdiagramm, das in Richtlinie und Verarbeitungsverzeichnis übernommen wird. Der DSGVO-Artikel zu RAG-Hosting zeigt dasselbe Prinzip für Wissensdatenbanken.

Welche Subprozessoren vergessen Teams am häufigsten?

In KI-Projekten tauchen oft mehr Anbieter auf, als im ersten Entwurf stehen:

  • Embedding-API für Vektorsuche
  • Speech-to-Text bei Sprachnotizen
  • OCR-Dienst für gescannte Dokumente
  • E-Mail-Gateway für Benachrichtigungen
  • Monitoring-Tool mit Log-Speicherung

Jeder braucht einen AVV-Eintrag im Verzeichnis der Auftragsverarbeitung. Ein Audit listet diese Kette typischerweise als erste Maßnahme.

Wann lohnt sich ein Datenschutz-Folgenabschätzung?

Eine DSFA nach Art. 35 DSGVO kann nötig werden, wenn Sie umfangreiche personenbezogene Daten automatisiert auswerten oder besondere Kategorien verarbeiten. KI verstärkt das Risiko, weil große Datenmengen schnell verarbeitet werden. Klären Sie im KI-Audit, ob Ihr Use-Case eine DSFA auslöst. Das spart spätere Baustellen mit dem Datenschutzbeauftragten.

Welche Made-in-Germany-Entscheidungen erleichtern Nachweise?

Hosting auf IONOS in Deutschland, Vertragsrecht nach deutschem Recht und ein Ansprechpartner im Ruhrgebiet verkürzen die Diskussion mit Datenschutzbeauftragten und Mandanten. Sie ersetzen keine TOM, aber sie reduzieren die Anzahl offener Fragen in der Architekturprüfung deutlich.

Häufige Fragen

Reicht ein AVV mit dem KI-Anbieter für DSGVO-Konformität?

Ein AVV nach Art. 28 DSGVO ist notwendig, aber nicht hinreichend. Sie müssen zusätzlich Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Speicherfristen und technische Schutzmaßnahmen dokumentieren.

Darf ich personenbezogene Daten in US-KI-Clouds eingeben?

Nur mit gültigem Übermittlungsmechanismus und Risikobewertung. Für sensible Mittelstandsdaten empfehlen wir deutsches Hosting, weil die Prüfung einfacher wird.

Was ist der Unterschied zwischen AI Act und DSGVO?

Die DSGVO regelt personenbezogene Daten und Betroffenenrechte. Der AI Act regelt KI-Systeme nach Risikoklasse. Beide Gesetze gelten parallel und brauchen getrennte Prüfungen.

Muss der KI-Anbieter in Deutschland sitzen?

Nein, entscheidend ist der Datenfluss und der Vertrag. Ein EU-Hosting mit deutschem Rechenzentrum erleichtert Nachweise gegenüber Datenschutzbehörden.

Was kostet DSGVO-konformes KI-Hosting?

Eine RAG-Lösung auf IONOS startet ab 4.500 EUR als Prototyp. Laufende Kosten hängen von Nutzerzahl und Modell-API ab, typisch 200 bis 800 EUR monatlich für 20 bis 50 Nutzer.

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