Optimal in Bezug auf was?
6. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Überall wird optimiert, vom Prompt bis zur Morgenroutine. Ein Optimum gibt es aber nur im Verhältnis zu einem Ziel. Warum die eigentliche Arbeit darin liegt, dieses Ziel vorher ehrlich festzulegen.
Optimum. Was ist das eigentlich?
Wenn ich in letzter Zeit durch meinen Feed scrolle, habe ich das Gefühl, alle haben gerade irgendwas optimiert. Den Workflow mit KI. Den perfekten Prompt. Die Morgenroutine, den Vertrieb, das Onboarding, den Schlaf. Überall liest man „optimal“, „optimiert“, „das Optimum rausgeholt“.
Und ich ertappe mich dabei, wie ich jedes Mal innerlich frage: optimal in Bezug auf was?
Ein Optimum gibt es nämlich nicht einfach so. Es gibt es nur im Verhältnis zu einem Ziel. Und genau dieses Ziel wird meistens weggelassen.
Mir ist dazu ein Bild aus dem Alltag eingefallen.
Ihr steht im Laden vor einer Stange. Da hängt der Anzug oder das Kleid, das ihr unbedingt haben wollt, in allen Größen nebeneinander. Gleicher Preis, egal ob S oder XXL.
Niemand denkt da lange nach. Wir greifen zu unserer Größe. Intuitiv, ohne Abwägung, ohne Tabelle. Und in dem Moment ist das auch genau das Optimum.
Nur ist das kein Naturgesetz. Das ist eine Entscheidung darüber, was uns wichtig ist. Wäre das Ziel, für dasselbe Geld möglichst viel Stoff zu bekommen, müsste jeder von uns zur größten Größe greifen. Rechnerisch völlig korrekt. Und trotzdem würde man uns ziemlich komisch anschauen.
Das Optimum steckt also nicht im Ergebnis, sondern in der Frage, die wir vorher stellen.
Und da wird es für mich spannend, ganz weit weg von Technik. Wie oft laufen wir einem Optimum hinterher, das gar nicht unseres ist? Mehr Umsatz, mehr Reichweite, mehr Output pro Stunde. Klingt alles nach der größten Größe an der Stange. Viel Stoff fürs Geld. Aber passt es uns auch?
Vielleicht ist die eigentliche Arbeit gar nicht das Optimieren selbst, sondern vorher ehrlich festzulegen, wofür. Wer das nicht tut, optimiert am Ende sehr effizient für die Ziele von jemand anderem.
Ich nehme mir das gerade selbst mit: Bevor ich das nächste Mal etwas „optimal“ nenne, frage ich mich, nach welcher Zielfunktion eigentlich.
Welche Größe tragt ihr gerade, die eigentlich gar nicht passt?
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