Ein KI-Agent für Genehmigungsprozesse sammelt Belege und Stammdaten, prüft Abweichungen und formuliert eine begründete Empfehlung. Der Mensch entscheidet. Unser Referenzfall ist die Eingangsrechnungs-Vorprüfung gegen Bestellung und Rahmenvertrag: Der Agent vergleicht Betrag, Mengen, Zahlungsziel, Skonto und Lieferantenfreigabe, markiert Abweichungen und legt einen Freigabe-Vorschlag vor. Kein autonomes Buchen. Typischer Festpreis bei Nentix als Entwicklungspartner: 8.000 bis 14.000 Euro für die erste produktive Version, Betrieb ab 800 Euro monatlich auf IONOS in Deutschland. Erfolg messen Sie an weniger Rückfragen (Ziel 30 bis 50 Prozent in 90 Tagen) und kürzerer Durchlaufzeit bis zur Freigabe.
Was soll der Agent leisten, was nicht?
Ja:
- Daten aus ERP, DMS und E-Rechnung zusammenführen
- Abweichungen strukturiert listen
- Natürlichsprachliche Begründung für Sachbearbeiter
- Vorschlag: freigeben, klären, ablehnen
Nein:
- Buchung in DATEV oder lexoffice
- Freigabe ohne menschlichen Klick
- Verhandlung mit Lieferanten
Das entspricht dem reifen Einsatzfall aus KI-Agenten im Mittelstand und ergänzt OCR reicht nicht, wenn die fachliche Validierung fehlt.
Architektur-Überblick
flowchart TB
subgraph Ingest["Deterministisch"]
E[E-Rechnung / PDF]
OCR[OCR / XRechnung Parser]
W1[n8n Workflow]
end
subgraph Agent["Agentisch"]
AG[Prüf-Agent]
T1[Tool: PO Lookup]
T2[Tool: Vertrag-Auszug]
T3[Tool: Lieferant Status]
end
subgraph Out["Freigabe"]
UI[Freigabe-UI]
H[Mensch]
ERP[(ERP Freigabe)]
end
E --> OCR --> W1
W1 --> AG
AG --> T1
AG --> T2
AG --> T3
AG --> UI
UI --> H
H --> ERP
Der Workflow macht alles Deterministische. Der Agent startet nur, wenn Pflichtfelder vorhanden sind und ein Vertragsbezug existiert. Details zum Mix: Regelbasiert vs. agentisch.
Tool-Use-Design
| Tool | Typ | Daten | Risiko |
|---|---|---|---|
get_purchase_order | read | PO-Nummer, Positionen | niedrig |
get_contract_terms | read | Zahlungsziel, Skonto | niedrig |
get_supplier_status | read | Freigabe, Sperre | niedrig |
propose_approval | write-queue | Vorschlag + Begründung | mittel, HITL |
MCP kapselt diese Tools optional (MCP für IT-Leiter). Sicherheitsregeln: MCP-Sicherheit.
Leitplanken-Design
System-Prompt (Auszug, sinngemäß):
- Prüfe nur die gelieferten Felder, erfinde keine Werte.
- Bei Abweichung > 2 Prozent oder fehlender PO: Status
klaeren. - Jede Empfehlung mit Bullet-Liste der Belege.
- Maximal 8 Tool-Aufrufe pro Rechnung.
Technische Leitplanken:
const guardrails = {
maxSteps: 8,
allowedTools: ["get_purchase_order", "get_contract_terms", "get_supplier_status"],
writeTools: [], // propose läuft über separaten Service
timeoutMs: 45_000,
model: "claude-sonnet-4-20250514", // pinned version
};
Output-Schema (JSON):
{
"status": "freigeben | klaeren | ablehnen",
"abweichungen": [
{ "feld": "zahlungsziel", "erwartet": 30, "ist": 14, "schwere": "mittel" }
],
"begruendung": "…",
"quellen": ["PO-9921", "Vertrag V-2024-17"]
}
Die Freigabe-UI rendert das Schema, der Mensch sieht keine Roh-JSON-Payload.
Ablauf eines Durchlaufs
- Rechnung landet im DMS, Workflow extrahiert Felder.
- Workflow prüft Duplikat und Pflichtfelder (deterministisch).
- Agent lädt PO und Vertrag, vergleicht Positionen und Konditionen.
- Agent schreibt Ergebnis in Freigabe-Queue.
- Sachbearbeiter sieht Ampel, Begründung, Links zu Belegen.
- Bei Freigabe: Workflow setzt ERP-Status (deterministisch).
Durchlaufzeit Ziel: unter 2 Minuten Agent-Lauf, unter 1 Tag menschliche Entscheidung.
KPIs und ROI
| KPI | Baseline typisch | Ziel nach 90 Tagen |
|---|---|---|
| Rückfragen pro 100 Rechnungen | 25 bis 40 | 12 bis 20 |
| Zeit bis Freigabe | 3 bis 7 Tage | 1 bis 4 Tage |
| Übersehene Abweichungen | messen | < 2 % Stichprobe |
Bei 400 Rechnungen monatlich und 15 Minuten pro Rückfrage sind 30 Prozent weniger Rückfragen ca. 30 Stunden im Monat. Das rechtfertigt den Agenten oft neben dem OCR-Workflow.
Wann scheitert das Projekt?
- Keine verlässlichen PO-Daten im ERP
- Verträge nur als unstrukturierte Scans ohne Metadaten
- Management erwartet „vollautomatische Buchhaltung”
- Security verbietet Cloud-LLM, aber kein EU-Modell verhandelt
Dann zuerst Daten und Prozess fixen, nicht den Agenten skalieren.
Wie integriert sich die Freigabe-UI?
Die UI ist keine PowerPoint-Mockup, sondern eine schlanke Web-Anwendung als Freigabe-Oberfläche:
- Ampel pro Rechnung (grün, gelb, rot)
- Side-by-Side PDF und Agent-Begründung
- Ein-Klick-Freigabe mit ERP-Webhook
- Kommentarfeld für Rückfragen an Lieferant
Sachbearbeiter sollen in unter 30 Sekunden entscheiden können, ob der Agent recht hat. Wenn die UI länger braucht, stimmt das Agent-Output-Schema nicht.
Rollout ohne Big-Bang
| Woche | Umfang | Ziel |
|---|---|---|
| 1 bis 2 | 10 Prozent Rechnungen, Parallel | Fehlerrate messen |
| 3 bis 4 | 30 Prozent, Agent schlägt vor | Rückfragen zählen |
| 5 bis 8 | 70 Prozent | KPI gegen Baseline |
| 9 plus | Optional Vollbetrieb | Retainer Monitoring |
Parallelbetrieb heißt: Agent und Sachbearbeiter prüfen unabhängig, Abweichungen werden protokolliert. Erst bei unter 2 Prozent kritischer Abweichung skalieren.
Technologie-Stack (Referenz)
| Schicht | Technologie | Rolle |
|---|---|---|
| Ingest | n8n auf IONOS | OCR, Routing, Pflichtfelder |
| Agent | Claude oder Azure OpenAI EU | Tool-Use, Begründung |
| Tools | MCP oder direkte API | read-only ERP |
| UI | Astro plus Tailwind | Freigabe-Oberfläche |
| Log | Loki oder Postgres | Audit |
Nentix entwickelt als Entwicklungspartner aus Oberhausen den gesamten Stack mit Festpreis. Made in Germany bedeutet hier: Code, Hosting-Vertrag und Ansprechpartner in Deutschland.
Was tun bei Modell-Wechsel?
Wenn der Modellanbieter ein Update ausrollt, kann sich Tool-Calling-Verhalten verschieben. Pflicht:
- Prompt- und Modell-Version in Git taggen
- 20 Golden-Test-Rechnungen automatisch durchlaufen
- Abweichungen manuell klassifizieren (Akzeptabel / Bug / Rollback)
- Erst dann Produktion umstellen
Ohne Golden Tests ist jedes Modell-Update ein Blindflug.
Lessons Learned aus Discovery-Calls
Zu breiter Scope: Agent soll Rechnung, Vertrag, Einkauf und Mahnwesen prüfen. Ergebnis: kein Go-Live. Besser: nur Rechnung gegen PO und Vertrag.
Zu wenig Daten: Verträge liegen nur als unlesbare Scans. Ergebnis: Agent halluziniert Konditionen. Besser: erst OCR plus Metadaten, dann Agent.
Zu hohe Erwartung: GF will 100 Prozent Autonomie. Ergebnis: Security-Stopp. Besser: Vorprüfung mit KPI Rückfragen-Reduktion.
Diese drei Muster sehen wir monatlich. Wer sie kennt, spart Budget.
Schnittstellen zu bestehenden Modulen
Der Genehmigungs-Agent ersetzt weder DocFlow noch Belegworkflow, sondern sitzt danach in der Kette. OCR und ERP-Import bleiben deterministisch. Der Agent ist die fachliche Zweitmeinung vor der Freigabe.
Wer Rechnungseingang automatisieren Kosten vergleicht, sollte Agent-Kosten separat kalkulieren, nicht in denselben Topf werfen.
Beispiel-KPI-Dashboard für Steering
| Woche | Rechnungen mit Agent | Rückfragen | Übersehene Abweichungen |
|---|---|---|---|
| 1 | 40 | 12 | 1 |
| 4 | 120 | 28 | 2 |
| 8 | 280 | 45 | 3 |
Trend nach unten bei Rückfragen pro 100 Rechnungen ist das Signal für Skalierung. Trend bei übersehenen Abweichungen nach oben ist Stopp-Signal.
Planen Sie im Budget immer zwei Iterationen Leitplanken nach dem ersten Parallelbetrieb. Die erste Prompt-Version trifft selten alle Edge Cases im Vertragswerk.
Der Genehmigungs-Agent ist kein Ersatz für Rechnungsfreigabe-Workflow, sondern die intelligente Schicht davor. Beides zusammen bildet den vollständigen Belegprozess im Mittelstand. Starten Sie mit einem klaren KPI, nicht mit Technologie-Demos.
Nächster Schritt
Nentix entwickelt Custom-Agentic-Workflows mit Festpreis und Betrieb aus Oberhausen auf IONOS. Überblick: MCP-Integration. Für Buchhaltungs-Schnittstellen: MCP DATEV und lexoffice.
Im Potenzial-Check ordnen Sie ein, ob Ihr Prozess reif ist. Direkt mit uns sprechen für Architektur-Review mit echten Beispiel-Rechnungen (NDA).
Häufige Fragen
Welcher Genehmigungsprozess eignet sich als erster Agenten-Fall?
Eingangsrechnungs-Prüfung gegen Bestellung und Rahmenvertrag. Die Regeln sind fachlich klar, Daten liegen in ERP und DMS, und die Endfreigabe bleibt beim Menschen. Rabatt- und Kredit-Freigaben funktionieren nach demselben Muster.
Ersetzt der Agent die Freigabe durch die Führungskraft?
Nein. Der Agent liefert Vorprüfung, Abweichungsliste und Begründung. Freigabe oder Ablehnung erfolgt durch autorisierte Personen im ERP oder in einer Freigabe-UI.
Was kostet die Implementierung?
Ein fokussierter Agent für Eingangsrechnungs-Vorprüfung liegt bei Nentix typisch bei 8.000 bis 14.000 Euro Festpreis plus 800 bis 1.500 Euro monatlich Betrieb auf IONOS. Der deterministische OCR- und ERP-Teil kann separat als Workflow ab 3.000 Euro laufen.
Welche Tools braucht der Agent?
Typisch: Rechnung lesen (OCR oder XML), Bestellung lookup, Vertrag-Auszug, Lieferanten-Status, optional Preishistorie. Schreib-Tools nur über Freigabe-Queue, nicht direkt.
Wie messe ich den Erfolg?
KPIs: Anteil Rechnungen ohne Rückfrage, Durchlaufzeit bis Freigabe, Fehlerrate bei Abweichungen die der Agent übersieht. Ziel in 90 Tagen: 30 bis 50 Prozent weniger Rückfragen bei gleicher Fehlertoleranz.